Ökologische Spiritualität der Bahaya/Banyambo in Tansania

Brighton Katabaro
Academy of International Ecumenism, University of Hamburg

 Ganzheitliche Weltsicht von Gott, Mensch und Natur

Ökologische Spiritualität unter den Bahaya/Banyambo in Tansania (und in mehreren anderen afrikanischen Ethnien) erschließt sich aus einer ganzheitlichen Weltsicht, in der Gott, Mensch und Natur in einem lebendigen Beziehungsnetz existieren. Dieses Verständnis zeigt sich in einem spirituell geprägten Naturbild, in dem die Schöpfung als lebendiges Subjekt und nicht lediglich als Objekt menschlicher Nutzung verstanden wird. Die Natur gilt als Manifestation des Göttlichen – als Zeichen der immanenten Präsenz des Schöpfers Ruhanga (Katonda) sowie der Vorfahren, die als Mittler zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren auftreten.

Relationales Verständnis der Schöpfung

Das Weltbild der Nyambo/Haya (wie vieler anderer afrikanischer Gemeinschaften) ist relational und interdependent: Berge, Flüsse, Wälder und Tiere werden als heilige Räume betrachtet, in denen spirituelle Kräfte präsent sind. Dieses Verständnis verknüpft ökologische Verantwortung untrennbar mit spiritueller Identität. Alles Leben ist Teil eines kosmischen Systems, in dem die Rechte und Pflichten aller Geschöpfe wechselseitig bestimmt sind.

Heilige Naturstätten und Schutzregeln

Es gelten heilige Naturstätten – wie der Omutooma-Baum an Flussläufen –, die nicht gefällt werden dürfen, da man glaubt, dort wohnten die Geister des Wassers. Auch Berge, Seen, Flüsse und Quellen gelten als Wohnstätten spiritueller Kräfte; ihre Zerstörung wäre ein moralischer Verstoß und Ausdruck spiritueller Entfremdung. Dazu gehört auch, dass bestimmte Bäume und Tiere innerhalb der Clans als tabu galten.

 Ein Bild, das draußen, Himmel, Gras, Baum enthält.

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 Verantwortung des Menschen gegenüber der Schöpfung

Die Menschen sollten erkennen, dass sie Teil der Natur sind und durch ihre Handlungen weder sich selbst noch zukünftige Generationen schädigen dürfen. Die Verehrung von Omukama w‘enyanja (dem Hüter eines Sees) verdeutlicht, dass Mensch, Natur und göttliche Kräfte in gegenseitiger Verantwortung stehen. Diese Glaubensvorstellungen führten dazu, dass die Menschen die Erde, die Bäume, die Flüsse, Pflanzen, Tiere und alle anderen Geschöpfe respektierten.

Rituale und Tabus als Ausdruck ökologischer Ethik

Rituale, Tabus und Gebete dienten dem Schutz der Umwelt und der Bewahrung der spirituellen Ordnung. Sie zielten nicht auf Angst oder Bestrafung ab, sondern darauf, das Leben zu schützen und die Beziehungen zwischen den Geschöpfen zu erhalten. Sie machten dem Menschen deutlich, dass er selbst Teil der Natur ist und sie nicht nach Belieben zerstören darf. Diese Überzeugung bewahrte ihn vor der Vorstellung, er sei der uneingeschränkte Besitzer von allem. Fehlen normative Schutzregeln, führt dies zwangsläufig zu einer Schädigung der natürlichen Umwelt.

Ökologische Spiritualität als ethische Zukunftsverantwortung

Diese ökologische Spiritualität fordert eine Haltung von Respekt, Dankbarkeit und Fürsorge für alles Leben. In der Erkenntnis, dass „wer die Natur ehrt, den Schöpfer ehrt“, liegt eine theologische Vision, die über kulturelle Grenzen hinausweist: Die Erde gehört nicht nur den Lebenden, sondern ebenso den noch Ungeborenen. Ökologische Spiritualität ist daher eine ethische Pflicht gegenüber der Zukunft der Schöpfung.

 

 


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